Überblick
Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon. Es beeinflusst Muskulatur, Knochendichte, Blutbildung, Stoffwechsel, Stimmung und die sexuelle Funktion. Von einem Testosteronmangel (Hypogonadismus) sprechen Ärztinnen und Ärzte, wenn wiederholt zu niedrige Testosteronwerte im Blut gemessen werden und gleichzeitig passende Beschwerden bestehen – etwa Antriebslosigkeit, Libidoverlust oder Erektionsstörungen. Ab dem mittleren Lebensalter sinkt der Testosteronspiegel langsam; ein behandlungsbedürftiger Mangel ist jedoch keine normale Alterserscheinung, sondern eine eigenständige Diagnose. Die Abklärung erfolgt laborbasiert: Entscheidend sind mindestens zwei morgendliche Blutentnahmen an unterschiedlichen Tagen, da der Testosteronwert im Tagesverlauf deutlich schwankt. In der Video-Sprechstunde können Ihre Beschwerden strukturiert erfasst, geeignete Laboruntersuchungen veranlasst und die Ergebnisse ausführlich besprochen werden. Nach ärztlicher Einschätzung kann anschließend eine Behandlung eingeleitet und begleitet werden – von gezielten Lebensstilmaßnahmen bis zur Testosteronersatztherapie mit regelmäßigen Verlaufskontrollen. Erforderliche körperliche Untersuchungen werden bei Bedarf vor Ort veranlasst.
Häufige Ursachen
Ein Testosteronmangel kann viele Ursachen haben. Am häufigsten ist der sogenannte funktionelle Hypogonadismus: Übergewicht, Typ-2-Diabetes, ein metabolisches Syndrom, chronischer Schlafmangel oder eine unbehandelte Schlafapnoe dämpfen die körpereigene Testosteronproduktion. Auch chronische Erkrankungen, ausgeprägter Stress, regelmäßiger Alkoholkonsum und bestimmte Medikamente – etwa Opioide oder Kortisonpräparate – können den Hormonspiegel senken. Seltener liegt die Ursache direkt im Hoden (primärer Hypogonadismus), zum Beispiel nach Verletzungen, Infektionen oder einer Chemotherapie sowie bei genetischen Erkrankungen wie dem Klinefelter-Syndrom. Beim sekundären Hypogonadismus ist die hormonelle Steuerung durch Hirnanhangsdrüse oder Hypothalamus gestört, etwa durch gutartige Tumoren oder einen erhöhten Prolaktinspiegel. Auch die frühere Einnahme anaboler Steroide ist eine relevante und oft übersehene Ursache. Die Unterscheidung gelingt über Laborwerte wie LH, FSH und Prolaktin und bestimmt das weitere diagnostische und therapeutische Vorgehen.
Wann zum Arzt?
Lassen Sie sich ärztlich abklären, wenn Beschwerden wie anhaltende Erschöpfung, Libidoverlust, Erektionsstörungen, ungewollter Muskelabbau oder gedrückte Stimmung über mehrere Wochen bestehen und Ihren Alltag beeinträchtigen. Eine frühzeitige Labordiagnostik verhindert, dass unspezifische Symptome jahrelang unerkannt bleiben oder vorschnell ohne gesicherte Diagnose behandelt wird. Konkrete Warnzeichen, die zeitnah – möglichst persönlich – untersucht werden sollten: tastbare Knoten, Verhärtungen oder Schwellungen am Hoden, neu aufgetretenes Brustdrüsenwachstum, neu aufgetretene Sehstörungen oder ungewohnt starke Kopfschmerzen sowie ein unerfüllter Kinderwunsch. Auch wenn Sie früher anabole Steroide eingenommen haben, ist eine strukturierte Abklärung sinnvoll. Bei Zeichen eines medizinischen Notfalls – etwa plötzlichen Brustschmerzen, Atemnot, Lähmungserscheinungen, Sprach- oder Bewusstseinsstörungen, wie sie bei Herzinfarkt oder Schlaganfall auftreten können – wählen Sie sofort den Notruf 112.