Überblick
Die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) gehört zu den häufigsten hormonellen Erkrankungen in Deutschland und betrifft Frauen deutlich öfter als Männer. Die Schilddrüse bildet dabei zu wenig der Hormone Thyroxin und Trijodthyronin, die den Energiestoffwechsel nahezu aller Organe steuern. Typische Folgen sind Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit und Konzentrationsstörungen, die sich oft schleichend über Monate entwickeln. Die Standardbehandlung ist die tägliche Einnahme von Schilddrüsenhormonen (L-Thyroxin), mit der sich die Beschwerden bei richtiger Einstellung meist vollständig zurückbilden. Da die Therapie in der Regel dauerhaft fortgeführt wird, benötigen Betroffene regelmäßig Folgerezepte und Laborkontrollen. Genau hier setzt die Video-Sprechstunde an: Sind Sie stabil eingestellt und liegen aktuelle Laborwerte vor, kann der Arzt Ihre Therapie im Gespräch beurteilen und nach ärztlicher Einschätzung ein Privatrezept für Ihr gewohntes Präparat ausstellen. Das erspart Ihnen den Praxisbesuch für ein reines Wiederholungsrezept, ohne dass die medizinische Sorgfalt verloren geht.
Häufige Ursachen
Die mit Abstand häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion in Deutschland ist die Hashimoto-Thyreoiditis, eine chronische Autoimmunentzündung, bei der das Immunsystem Schilddrüsengewebe angreift und die Hormonproduktion allmählich nachlässt. Ebenfalls häufig ist eine Unterfunktion nach medizinischen Eingriffen, etwa nach einer Schilddrüsenoperation oder einer Radiojodtherapie. Auch bestimmte Medikamente können die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen; hierzu berät Sie der Arzt anhand Ihres Medikationsplans. Ein ausgeprägter Jodmangel ist in Deutschland durch die Verwendung von jodiertem Speisesalz selten geworden, spielt weltweit aber weiterhin eine Rolle. Deutlich seltener sind angeborene Formen, die bereits im Neugeborenen-Screening erkannt werden, sowie die sogenannte sekundäre Hypothyreose, bei der die Ursache nicht in der Schilddrüse selbst, sondern in der übergeordneten Hormonsteuerung der Hirnanhangsdrüse liegt.
Wann zum Arzt?
Lassen Sie anhaltende Beschwerden wie ausgeprägte Müdigkeit, unerklärliche Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit oder gedrückte Stimmung ärztlich abklären, insbesondere wenn mehrere Symptome zusammen auftreten oder Schilddrüsenerkrankungen in Ihrer Familie bekannt sind. Bei bereits diagnostizierter Unterfunktion sollten Sie ärztlichen Rat einholen, wenn trotz regelmäßiger Einnahme neue Beschwerden auftreten, sich Ihr Gewicht deutlich verändert oder eine Schwangerschaft besteht oder geplant ist, denn dann muss die Therapie häufig zeitnah angepasst werden. Ein rasch wachsender Knoten am Hals, neu aufgetretene Schluckbeschwerden oder Heiserkeit gehören ebenfalls zeitnah in ärztliche Abklärung vor Ort. Selten kann eine schwere, unbehandelte Unterfunktion in eine lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung münden: Bei ausgeprägter Schläfrigkeit bis zur Bewusstseinsstörung, Verwirrtheit, starker Unterkühlung oder sehr langsamem Herzschlag wählen Sie sofort den Notruf 112.