Überblick
Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland. Er verursacht meist lange Zeit keine Beschwerden, erhöht unbehandelt aber das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und Nierenschäden. Eine dauerhaft gute Blutdruckeinstellung ist daher entscheidend – sie beruht auf Lebensstilmaßnahmen und, wenn erforderlich, blutdrucksenkenden Medikamenten. Für Patientinnen und Patienten, deren Blutdruck bereits medikamentös gut eingestellt ist, eignet sich die Video-Sprechstunde besonders: Ihre Heimmesswerte werden gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen, und nach ärztlicher Einschätzung kann ein Folgerezept für die bestehende Medikation als Privatrezept nach GOÄ ausgestellt werden. So lassen sich Therapieunterbrechungen vermeiden, ohne dass für jede Wiederverordnung ein Praxisbesuch nötig ist. Die Erstdiagnose, die Ersteinstellung der Medikation sowie regelmäßige körperliche Kontrolluntersuchungen bleiben Aufgabe einer Praxis vor Ort – die Telemedizin ergänzt diese Versorgung, ersetzt sie aber nicht.
Häufige Ursachen
In etwa neun von zehn Fällen liegt eine sogenannte primäre (essentielle) Hypertonie vor, für die keine einzelne Ursache verantwortlich ist. Zu den wichtigsten begünstigenden Faktoren zählen erbliche Veranlagung, zunehmendes Alter, Übergewicht, hoher Kochsalzkonsum, Bewegungsmangel, regelmäßiger Alkoholkonsum, Rauchen und anhaltender Stress. Auch Schlafstörungen wie die obstruktive Schlafapnoe können den Blutdruck erhöhen. Deutlich seltener ist die sekundäre Hypertonie, bei der eine andere Erkrankung zugrunde liegt – etwa Nierenerkrankungen, hormonelle Störungen oder Gefäßveränderungen. Bestimmte Medikamente, zum Beispiel Kortisonpräparate, einige Schmerzmittel oder hormonelle Verhütungsmittel, können den Blutdruck ebenfalls steigern. Bei jungem Erkrankungsalter, sehr hohen Werten oder unzureichendem Ansprechen auf die Therapie sollte eine sekundäre Ursache ärztlich abgeklärt werden; dies erfordert Untersuchungen vor Ort.
Wann zum Arzt?
Vereinbaren Sie zeitnah einen Arzttermin, wenn Ihre Heimmesswerte trotz regelmäßiger Medikamenteneinnahme wiederholt über dem vereinbarten Zielbereich liegen, wenn Sie wiederholt Werte über 160/100 mmHg messen oder wenn neue Beschwerden auftreten – etwa mögliche Nebenwirkungen der Medikamente, Schwindel beim Aufstehen oder zunehmende Wassereinlagerungen. Rufen Sie sofort den Notruf 112, wenn sehr hohe Werte (etwa ab 180/120 mmHg) zusammen mit Warnzeichen auftreten: starke Brustschmerzen oder Engegefühl, Atemnot, plötzliche Lähmungen, Seh- oder Sprachstörungen, sehr starke Kopfschmerzen, nicht stillbares Nasenbluten, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen. Solche Zeichen können auf einen hypertensiven Notfall, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall hinweisen und lassen sich nicht per Video behandeln. Auch bei neu erhöhten Blutdruckwerten in der Schwangerschaft sollten Sie sich unverzüglich ärztlich vorstellen.