Kurzantwort
Ja, eine Krankschreibung aus der Videosprechstunde muss der Arbeitgeber wie jede ärztliche Bescheinigung anerkennen, solange eine approbierte Ärztin oder ein approbierter Arzt sie nach einem echten Gespräch ausgestellt hat. Er sieht nur Beginn, Dauer und Erst- oder Folgebescheinigung, nie die Diagnose. Bei OpenClinic24 ist die Bescheinigung privatärztlich, als PDF, für höchstens drei Kalendertage und nach ärztlichem Ermessen.
Das Wichtigste in Kürze
§ 5 EntgFG verlangt eine ärztliche Bescheinigung, keine bestimmte Untersuchungsform; die Fernbehandlung ist nach § 7 Abs. 4 MBO-Ä im Einzelfall erlaubt.
Auf der Arbeitgeber-Ausfertigung stehen Beginn, voraussichtliche Dauer, Ausstellungsdatum und Erst- oder Folgebescheinigung; die Diagnose fehlt.
Der Beweiswert kann erschüttert werden, etwa wenn die Bescheinigung passgenau die Kündigungsfrist abdeckt (BAG 5 AZR 149/21); dann muss die erkrankte Person die Arbeitsunfähigkeit belegen.
Eine Fragebogen-AU ohne ärztlichen Kontakt rechtfertigte 2025 eine fristlose Kündigung (LAG Hamm 14 SLa 145/25); eine echte Videosprechstunde ist etwas anderes.
Privatärztliche Bescheinigungen laufen nicht über das eAU-Verfahren; Sie reichen das PDF selbst ein. Die Entgeltfortzahlung von sechs Wochen (§ 3 EntgFG) gilt unverändert.
Was das Gesetz vom Arbeitgeber verlangt
Die Rechtsgrundlage ist kurz. § 5 Abs. 1 des Entgeltfortzahlungsgesetzes verpflichtet Beschäftigte, die Arbeitsunfähigkeit unverzüglich anzuzeigen und bei mehr als drei Tagen Dauer spätestens am vierten Kalendertag eine ärztliche Bescheinigung vorzulegen. Der Arbeitgeber darf die Vorlage früher verlangen. Mehr sagt das Gesetz nicht: keine Vorgabe zur Untersuchungsform, kein Ausschluss der Videosprechstunde, kein Unterschied zwischen kassen- und privatärztlicher Bescheinigung.
Wie die Ärztin oder der Arzt zur Feststellung kommt, regelt das ärztliche Berufsrecht. § 7 Abs. 4 der (Muster-)Berufsordnung erlaubt seit 2018 die ausschließliche Fernbehandlung im Einzelfall, wenn sie ärztlich vertretbar ist und die Sorgfalt gewahrt bleibt. § 25 verlangt, dass Bescheinigungen mit der nötigen Sorgfalt und nach bestem Wissen ausgestellt werden. Für Kassenpraxen präzisiert die Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie seit 2020, dass die Arbeitsunfähigkeit per Videosprechstunde festgestellt werden darf.
Der Arbeitgeber hat also kein Wahlrecht. Er muss eine ordnungsgemäß ausgestellte ärztliche Bescheinigung als Nachweis anerkennen, gleich ob sie in der Praxis, am Telefon oder per Video entstanden ist. Was er darf, ist, den Beweiswert im Einzelfall mit konkreten Gründen zu erschüttern. Darum geht es im nächsten Abschnitt.
Was der Arbeitgeber sieht und was nicht
Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung besteht aus mehreren Ausfertigungen. Die Ausfertigung für den Arbeitgeber enthält: Name und Geburtsdatum, Ausstellungsdatum, den Tag, ab dem die Arbeitsunfähigkeit festgestellt wurde, die voraussichtliche Dauer, die Angabe Erst- oder Folgebescheinigung und Name sowie Anschrift der ausstellenden Praxis oder Einrichtung. Nicht enthalten ist die Diagnose. Sie steht ausschließlich auf Ihrem Exemplar und bei gesetzlich Versicherten auf der Ausfertigung für die Krankenkasse.
Ebenfalls nicht enthalten ist die Form des Arztkontakts. Dass die Feststellung per Video erfolgte, ist auf der Bescheinigung nicht vermerkt. Der Arbeitgeber erkennt eine Online-Krankschreibung also nicht an der Bescheinigung selbst, sondern höchstens an der ausstellenden Stelle. Beides berechtigt ihn nicht, die Bescheinigung zurückzuweisen.
| Angabe | Arbeitgeber-Ausfertigung | Ihr Exemplar |
|---|---|---|
| Name, Geburtsdatum | ja | ja |
| Beginn und voraussichtliche Dauer | ja | ja |
| Erst- oder Folgebescheinigung | ja | ja |
| Ausstellende Ärztin oder Arzt | ja | ja |
| Diagnose (ICD-Code) | nein | ja |
| Form des Kontakts (Praxis, Telefon, Video) | nein | nein |
Sie sind nicht verpflichtet, Ihrem Arbeitgeber die Diagnose mitzuteilen. Fragt er danach, dürfen Sie die Antwort verweigern. Eine Ausnahme gilt nur, wenn die Erkrankung für den Arbeitsschutz relevant ist, etwa eine ansteckende Krankheit in der Lebensmittelverarbeitung; dann greift das Infektionsschutzgesetz, nicht das Fragerecht des Arbeitgebers.
Ärztliche Bescheinigung mit vollem Beweiswert
Eine Ärztin oder ein Arzt beurteilt Ihre Beschwerden per Video und stellt die Bescheinigung als PDF aus, wenn Arbeitsunfähigkeit vorliegt. Sie reichen die Arbeitgeber-Ausfertigung selbst ein.
Krankschreibung online anfragenDer Beweiswert: wann der Arbeitgeber zweifeln darf
Eine ordnungsgemäße ärztliche Bescheinigung hat nach ständiger Rechtsprechung einen hohen Beweiswert. Der Arbeitgeber, der die Entgeltfortzahlung verweigern will, muss diesen Beweiswert erschüttern. Dafür reicht nicht der Verdacht, sondern er braucht tatsächliche Umstände, die ernsthafte Zweifel an der Erkrankung begründen.
Das Bundesarbeitsgericht hat 2021 (5 AZR 149/21) einen solchen Umstand anerkannt: Eine Arbeitnehmerin hatte gekündigt und am selben Tag eine Bescheinigung vorgelegt, die exakt die Kündigungsfrist abdeckte. Diese Deckungsgleichheit erschütterte den Beweiswert. Die Folge war nicht, dass die Bescheinigung ungültig war, sondern dass die Arbeitnehmerin die Arbeitsunfähigkeit nun selbst beweisen musste, etwa durch Aussage der behandelnden Ärztin nach Entbindung von der Schweigepflicht.
Weitere Beispiele aus der Rechtsprechung der Landesarbeitsgerichte: eine im Streit angekündigte Krankschreibung, Freizeitaktivitäten, die zur bescheinigten Erkrankung offensichtlich nicht passen, eine ungewöhnliche Häufung von Bescheinigungen an Brückentagen, oder eine Bescheinigung, die ohne jeden ärztlichen Kontakt entstand. Der letzte Punkt ist für Online-Angebote entscheidend.
Für Sie heißt das: Eine Video-Krankschreibung ist nicht angreifbarer als eine aus der Praxis, solange das Gespräch stattgefunden hat und dokumentiert ist. Bei OpenClinic24 ist jede Bescheinigung mit einer dokumentierten Videosprechstunde verknüpft; die Ärztin oder der Arzt könnte im Streitfall nach Ihrer Entbindung von der Schweigepflicht bestätigen, dass eine Beurteilung stattfand.
Das Urteil des LAG Hamm 2025: Fragebogen ist keine Sprechstunde
Im September 2025 bestätigte das Landesarbeitsgericht Hamm die fristlose Kündigung eines Arbeitnehmers (14 SLa 145/25). Er hatte eine Krankschreibung über eine Website erworben, auf der er lediglich einen Fragebogen mit vorgegebenen Antworten ausgefüllt hatte. Ein Arzt hatte ihn weder gesehen noch gesprochen. Das Gericht sah darin eine bewusste Täuschung: Der Arbeitnehmer habe den Eindruck eines ärztlichen Kontakts erweckt, der nie stattgefunden hatte. Eine solche Bescheinigung entspreche nicht der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie, nach der Arbeitsunfähigkeit nur aufgrund ärztlicher Untersuchung festgestellt werden darf, persönlich, telefonisch oder per Video.
Das Urteil wird oft als Urteil gegen „Online-Krankschreibungen“ zitiert. Das ist unpräzise. Es richtet sich gegen Bescheinigungen ohne ärztlichen Kontakt. Die Videosprechstunde, in der eine Ärztin oder ein Arzt Sie sieht, befragt und beurteilt, ist genau der Kontakt, den die Richtlinie ausdrücklich zulässt. Der Unterschied zwischen beiden Modellen ist für Arbeitgeber und Gerichte der entscheidende Punkt.
Privatärztlich und per PDF: Besonderheiten im Verfahren
Seit 2023 läuft die Krankmeldung gesetzlich Versicherter elektronisch: Die Kassenpraxis meldet die Daten an die Krankenkasse, der Arbeitgeber ruft sie dort ab (§ 5 Abs. 1a EntgFG). Dieses eAU-Verfahren betrifft nur Vertragsärztinnen und Vertragsärzte. OpenClinic24 arbeitet privatärztlich. Die Bescheinigung erhalten Sie als PDF in Ihrem Patientenkonto und reichen die Arbeitgeber-Ausfertigung selbst ein, so wie es Privatversicherte seit jeher tun und wie es für gesetzlich Versicherte bei privatärztlicher Behandlung ebenfalls vorgesehen ist.
Der Arbeitgeber darf das PDF nicht mit dem Argument zurückweisen, es sei keine eAU. Die eAU ist ein Übermittlungsweg, kein Gültigkeitsmerkmal. Entscheidend bleibt § 5 Abs. 1 EntgFG: ärztliche Bescheinigung über die Arbeitsunfähigkeit und ihre voraussichtliche Dauer.
Zwei Grenzen nennen wir offen. Erstens: Die privatärztliche Bescheinigung bei OpenClinic24 gilt für höchstens drei Kalendertage, beginnt in der Regel am Tag der Videosprechstunde, wird nur ausnahmsweise nach ärztlicher Prüfung rückdatiert und per Video nicht verlängert. Zweitens: Für das Krankengeld der gesetzlichen Krankenkasse nach sechs Wochen braucht es lückenlose vertragsärztliche Feststellungen; wer absehbar länger erkrankt ist, gehört in eine Praxis vor Ort. Für die Entgeltfortzahlung in den ersten sechs Wochen (§ 3 EntgFG) spielt das keine Rolle; sie zahlt der Arbeitgeber.
Fristen und Pflichten auf einen Blick
| Pflicht | Frist | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Krankmeldung beim Arbeitgeber | am ersten Tag, vor Arbeitsbeginn | § 5 Abs. 1 Satz 1 EntgFG |
| Ärztliche Bescheinigung | spätestens am vierten Kalendertag; früher, wenn der Arbeitgeber es verlangt | § 5 Abs. 1 Satz 2 und 3 EntgFG |
| Folgebescheinigung | vor Ablauf der vorigen, spätestens am nächsten Werktag | § 5 Abs. 1 Satz 4 EntgFG, Rechtsprechung BSG |
| Entgeltfortzahlung | bis zu sechs Wochen je Erkrankung | § 3 EntgFG |
| Krankengeld (GKV) | ab der siebten Woche, lückenlose Feststellung | § 44 ff. SGB V |
Stand: Oktober 2026. Die Bundesregierung hat angekündigt, die Nachweispflicht auf den ersten Tag vorzuziehen und die telefonische Krankschreibung einzuschränken; ein Gesetzentwurf lag bei Veröffentlichung nicht vor. Wir aktualisieren diese Tabelle, sobald sich die Fristen ändern.
Wenn der Arbeitgeber die Bescheinigung trotzdem ablehnt
Bleiben Sie sachlich. Weisen Sie auf § 5 EntgFG hin und darauf, dass die Bescheinigung von einer approbierten Ärztin oder einem approbierten Arzt nach einer Videosprechstunde ausgestellt wurde. Bieten Sie an, die Rechnung mit GOÄ-Ziffern vorzulegen; sie belegt den Arztkontakt, ohne die Diagnose zu nennen. Nennen Sie, falls gewünscht, die Praxisanschrift der Ärztin oder des Arztes.
Verweigert der Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung, trägt er das Risiko: Im Prozess muss er den Beweiswert erschüttern. Lassen Sie sich vom Betriebsrat, einer Gewerkschaft oder einer Fachanwältin für Arbeitsrecht beraten. Dieser Artikel ist eine ärztlich geprüfte Information zur Rechtslage, keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Wann in die Praxis, wann Notruf
Die Videosprechstunde ist für kurze, klar umrissene Arbeitsunfähigkeiten gedacht: Erkältung, Magen-Darm-Infekt, Migräneattacke, Rückenschmerz ohne Warnzeichen, akute Belastungsreaktion. In eine Praxis vor Ort gehören Sie, wenn eine Untersuchung nötig ist, wenn Beschwerden länger als eine Woche anhalten, wenn eine Folgebescheinigung ansteht oder wenn absehbar Krankengeld relevant wird. Den ärztlichen Bereitschaftsdienst erreichen Sie unter 116 117.
Den Notruf 112 wählen Sie bei Atemnot, Brustschmerz, Bewusstseinsstörung, plötzlicher Lähmung oder Sprachstörung, starker Blutung oder bei einer akuten seelischen Krise mit Gefahr für Sie selbst oder andere.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
- Brustschmerz, Atemnot oder Bewusstseinsstörung: Notruf 112
- Fieber über 39,5 °C mit steifem Nacken, Ausschlag oder Verwirrtheit
- Plötzliche Lähmung, Sprachstörung oder stärkste Kopfschmerzen
- Suizidgedanken oder akute seelische Krise: Notruf 112 oder Telefonseelsorge 0800 111 0 111
Bei diesen Warnzeichen wählen Sie den Notruf 112. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Eine Videosprechstunde ersetzt in diesen Fällen keine Untersuchung vor Ort.
Quellen
- § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG): Anzeige- und Nachweispflichten. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de, 2026. Gesetz
- § 3 Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG): Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de, 2026. Gesetz
- Urteil 5 AZR 149/21: Beweiswert einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nach Kündigung. Bundesarbeitsgericht, 2021. Gesetz
- Urteil 14 SLa 145/25 vom 05.09.2025: fristlose Kündigung nach Online-Krankschreibung ohne Arztkontakt. Landesarbeitsgericht Hamm, Wiedergabe durch Personalwirtschaft, 2025. Gesetz
- Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie (AU-RL) des Gemeinsamen Bundesausschusses, §§ 4 und 5. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), 2024. Leitlinie
- (Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte (MBO-Ä), § 7 Abs. 4 und § 25. Bundesärztekammer, 2024. Leitlinie
- § 278 Strafgesetzbuch: Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de, 2026. Gesetz
- Interactive telemedicine: effects on professional practice and health care outcomes. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2015. DOI: 10.1002/14651858.CD002098.pub2 Übersichtsarbeit
Alle Quellen wurden bei der ärztlichen Prüfung abgerufen. Studien sind mit DOI verlinkt, Leitlinien und Gesetze in der aktuellen Fassung.
Häufig gestellte Fragen
Muss mein Arbeitgeber eine Online-Krankschreibung akzeptieren?
Ja. Das Entgeltfortzahlungsgesetz verlangt eine ärztliche Bescheinigung und schreibt keine Untersuchungsform vor. Eine Bescheinigung, die eine approbierte Ärztin oder ein approbierter Arzt nach einer Videosprechstunde ausstellt, hat denselben Beweiswert wie eine aus der Praxis. Der Arbeitgeber kann ihn nur mit konkreten Anhaltspunkten erschüttern, nicht mit dem Hinweis auf das Video.
Was sieht der Arbeitgeber auf der Krankschreibung?
Ihren Namen, das Ausstellungsdatum, den Beginn der Arbeitsunfähigkeit, ihre voraussichtliche Dauer und ob es eine Erst- oder Folgebescheinigung ist. Die Diagnose steht nur auf Ihrem Exemplar und bei gesetzlich Versicherten auf dem für die Kasse. Dass die Bescheinigung per Video entstand, steht dort ebenfalls nicht.
Ist eine privatärztliche Krankschreibung beim Arbeitgeber gültig?
Ja. Ob die Ärztin oder der Arzt kassenärztlich oder privatärztlich tätig ist, spielt für die Bescheinigung keine Rolle. Unterschiede gibt es nur im Verfahren: Privatärztliche Bescheinigungen werden nicht elektronisch an die Krankenkasse übermittelt, Sie reichen das PDF selbst beim Arbeitgeber ein.
Wann darf der Arbeitgeber die Krankschreibung anzweifeln?
Wenn konkrete Umstände ernsthafte Zweifel begründen. Das Bundesarbeitsgericht nannte 2021 den Fall, dass eine Bescheinigung exakt die Kündigungsfrist abdeckt. Weitere Beispiele aus der Rechtsprechung: Ankündigung einer Krankheit im Streit, Freizeitaktivitäten, die zur Erkrankung nicht passen, oder eine Bescheinigung ohne jeden Arztkontakt. Dann müssen Sie die Arbeitsunfähigkeit belegen, etwa durch die behandelnde Ärztin.
Kann ich wegen einer Online-Krankschreibung gekündigt werden?
Nicht wegen des Videos. Das Landesarbeitsgericht Hamm bestätigte 2025 eine fristlose Kündigung, weil der Arbeitnehmer eine Bescheinigung aus einem reinen Online-Fragebogen vorgelegt und damit einen Arztkontakt vorgetäuscht hatte. Eine Videosprechstunde mit echter ärztlicher Beurteilung erfüllt dagegen die Anforderungen der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie.
Ab wann muss ich die Bescheinigung vorlegen?
Gesetzlich spätestens am vierten Kalendertag, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Tage dauert. Der Arbeitgeber darf sie früher verlangen, auch ab dem ersten Tag, per Arbeitsvertrag oder Anordnung. Die Mitteilung, dass Sie krank sind, ist unabhängig davon immer am ersten Tag vor Arbeitsbeginn fällig.
Wie reiche ich das PDF beim Arbeitgeber ein?
So, wie es Ihr Betrieb vorsieht: per E-Mail an die Personalabteilung, über ein Mitarbeiterportal oder ausgedruckt. Senden Sie nur die Arbeitgeber-Ausfertigung ohne Diagnose. Bewahren Sie Ihr eigenes Exemplar und die Rechnung auf; sie belegen den Arztkontakt, falls Fragen entstehen.
Zahlt der Arbeitgeber bei einer Online-Krankschreibung weiter Gehalt?
Ja. Die Entgeltfortzahlung für bis zu sechs Wochen nach § 3 EntgFG hängt an der Arbeitsunfähigkeit und ihrem Nachweis, nicht an der Form der Sprechstunde. Nach sechs Wochen zahlt bei gesetzlich Versicherten die Krankenkasse Krankengeld; dafür braucht sie lückenlose Feststellungen, die in der Regel eine Praxis vor Ort übernimmt.
Hinweis: Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt, in Notfällen an den Notruf 112.
