Kurzantwort
Ein Testosteronmangel liegt vor, wenn typische Beschwerden wie verminderte Libido, Erektionsstörungen, Antriebslosigkeit und Muskelabbau mit einem zweimal morgens nüchtern gemessenen, eindeutig erniedrigten Testosteronwert zusammentreffen. Echte Mangelzustände sind seltener, als Werbung suggeriert: etwa 2 Prozent der Männer zwischen 40 und 79. Bei OpenClinic24 klären Ärztinnen und Ärzte Symptome und Laborwerte per Video und beraten zu Therapie und Risiken.
Das Wichtigste in Kürze
Diagnose nur bei Symptomen plus zwei erniedrigten Werten des Gesamttestosterons, morgens zwischen 8 und 10 Uhr, nüchtern; ein einzelner Wert reicht nicht (Endocrine Society 2018).
Der harmonisierte untere Referenzwert liegt bei etwa 9,2 nmol/l (264 ng/dl). Bei grenzwertigen Befunden werden freies Testosteron und SHBG mitbestimmt.
In der europäischen Altersstudie hatten nur 2,1 Prozent der Männer zwischen 40 und 79 einen symptomatischen Mangel; Übergewicht, Diabetes und chronische Krankheiten sind die häufigsten behebbaren Ursachen (NEJM 2010).
Die TRAVERSE-Studie zeigte bei 5.246 Männern mit Mangel und erhöhtem Herzrisiko kein erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko unter Testosterongel, aber mehr Vorhofflimmern, Lungenembolien und akute Nierenschäden (NEJM 2023).
Testosteron unterdrückt die Spermienbildung; bei Kinderwunsch ist eine Therapie nicht geeignet. Ohne nachgewiesenen Mangel bringt sie keinen Nutzen.
Was Testosteron im Körper des Mannes tut
Testosteron wird zu 95 Prozent in den Hoden gebildet, gesteuert von der Hirnanhangsdrüse über das luteinisierende Hormon. Es steuert Libido und Erektion, Spermienbildung, Muskelaufbau, Knochendichte, Blutbildung, Fettverteilung, Stimmung und Antrieb. Der Spiegel folgt einem Tagesrhythmus mit dem Höchstwert am frühen Morgen und fällt bis zum Nachmittag um bis zu 30 Prozent ab. Mit dem Alter sinkt er langsam, etwa ein Prozent pro Jahr ab dem 40. Lebensjahr; die meisten Männer bleiben dabei im Normalbereich.
Ein Mangel entsteht, wenn die Hoden zu wenig produzieren (primärer Hypogonadismus), wenn die Steuerung aus dem Gehirn fehlt (sekundärer Hypogonadismus) oder wenn Übergewicht und chronische Krankheiten die Achse dämpfen (funktioneller Hypogonadismus). Die letzte Form ist mit Abstand die häufigste und die einzige, die sich durch Behandlung der Ursache oft vollständig zurückbildet.
Symptome: spezifisch und unspezifisch
Die European Male Ageing Study mit über 3.000 Männern zwischen 40 und 79 Jahren hat untersucht, welche Beschwerden tatsächlich mit niedrigem Testosteron zusammenhängen. Am klarsten waren drei sexuelle Symptome: weniger morgendliche Erektionen, weniger sexuelles Verlangen und Erektionsstörungen. Erst bei Werten unter 11 nmol/l traten sie gehäuft auf, unter 8 nmol/l deutlich. Körperliche Symptome wie Kraftverlust und geringere Belastbarkeit hingen schwächer zusammen, psychische wie Müdigkeit und gedrückte Stimmung kaum.
Für Sie heißt das: Antriebslosigkeit allein ist kein Testosteronproblem. Kommen aber sexuelle Symptome dazu, lohnt der Bluttest. Weitere Hinweise auf einen echten Mangel sind Hitzewallungen, Abnahme der Körperbehaarung, Brustwachstum, Blutarmut, unerklärter Knochenschwund und kleine, weiche Hoden.
Der Bluttest: richtig gemacht oder wertlos
Die Leitlinie der Endocrine Society ist eindeutig: Ein Mangel wird nur diagnostiziert, wenn Beschwerden vorliegen und das Gesamttestosteron an zwei verschiedenen Tagen eindeutig erniedrigt ist, gemessen morgens zwischen 8 und 10 Uhr, nüchtern, außerhalb akuter Erkrankungen. Ein einzelner Wert, ein Nachmittagswert oder ein Wert während einer Grippe sind nicht verwertbar; bis zu 30 Prozent der Männer mit einem erniedrigten Erstwert haben beim zweiten Test einen normalen.
Der harmonisierte untere Referenzwert für gesunde junge Männer liegt nach Travison und Kollegen bei 9,2 nmol/l (264 ng/dl). Liegt der Wert im Graubereich zwischen etwa 8 und 12 nmol/l, werden das Sexualhormon-bindende Globulin und das freie Testosteron mitbestimmt, weil Übergewicht, Diabetes und Schilddrüsenerkrankungen das SHBG und damit den verfügbaren Anteil verändern. LH und FSH zeigen, ob die Ursache in den Hoden oder in der Steuerung liegt; Prolaktin und bei Verdacht ein MRT der Hirnanhangsdrüse ergänzen die Abklärung. Vor einer Therapie kommen PSA, Blutbild mit Hämatokrit, Leberwerte, Blutfette und Blutzucker dazu.
Ein Screening symptomfreier Männer empfiehlt keine Leitlinie. Werbeangebote für „Testosteron-Check“ ohne Symptome und ohne ärztliche Einordnung führen zu falschen Diagnosen und unnötigen Therapien.
Symptome und Werte ärztlich einordnen
Eine Ärztin oder ein Arzt bespricht per Video Ihre Beschwerden, sagt Ihnen, welche Laborwerte wann sinnvoll sind, und bewertet vorhandene Befunde. Therapie nur bei nachgewiesenem Mangel.
Testosteronmangel online abklärenUrsachen, die sich behandeln lassen
Bei den meisten Männern mittleren Alters mit niedrigem Testosteron findet sich eine der folgenden Ursachen. Ihre Behandlung ist der erste Schritt, oft der einzige nötige:
- Übergewicht. Fettgewebe wandelt Testosteron in Östrogen um und dämpft die Steuerung. Eine Gewichtsabnahme von 10 Prozent hebt den Spiegel messbar; nach bariatrischen Operationen normalisiert er sich häufig vollständig.
- Typ-2-Diabetes und metabolisches Syndrom. Eng verknüpft mit Übergewicht und Insulinresistenz.
- Schlafapnoe und Schlafmangel. Testosteron wird im Tiefschlaf gebildet; unbehandelte Schlafapnoe senkt den Spiegel und verschlechtert sich unter Testosterongabe.
- Medikamente und Substanzen. Opioide, Glukokortikoide, manche Antidepressiva, Alkohol im Übermaß und vor allem Anabolika, die die körpereigene Produktion oft für Monate bis Jahre abschalten.
- Chronische Erkrankungen. Nieren- und Leberinsuffizienz, HIV, chronisch-entzündliche Erkrankungen, Eisenspeicherkrankheit.
- Erkrankungen von Hoden und Hirnanhangsdrüse. Klinefelter-Syndrom, Hodenhochstand, Mumps-Orchitis, Chemotherapie, Prolaktinom, Tumoren oder Bestrahlung der Hypophyse; hier ist die Therapie meist dauerhaft nötig.
Therapie: Nutzen, Formen, Kontrollen
Bei nachgewiesenem Mangel mit passenden Symptomen und ohne Gegenanzeigen empfiehlt die Leitlinie eine Testosteronersatztherapie. Die Testosterone Trials mit 790 Männern über 65 zeigten, was sie leistet: eine moderate Verbesserung von sexuellem Verlangen und Aktivität, eine leichte Zunahme der Gehstrecke und Stimmung, mehr Knochendichte und Korrektur einer Blutarmut, aber keinen Effekt auf Vitalität und Gedächtnis. Muskelmasse nimmt zu, Fettmasse ab, am deutlichsten in Kombination mit Krafttraining.
Zur Verfügung stehen transdermale Gele, die täglich auf Schulter oder Oberarm aufgetragen werden und gleichmäßige Spiegel erzeugen, sowie Depotinjektionen alle 10 bis 14 Wochen. Gele bergen das Risiko der Übertragung auf Partnerin oder Kinder durch Hautkontakt; Hände waschen und die Stelle bedecken ist Pflicht. Kontrolliert werden Testosteron, Hämatokrit und PSA nach drei und zwölf Monaten und dann jährlich; steigt der Hämatokrit über 54 Prozent, wird pausiert oder reduziert.
Nicht angewendet wird Testosteron bei Prostata- oder Brustkrebs, bei einem Hämatokrit über 50 Prozent, bei unbehandelter schwerer Schlafapnoe, bei ausgeprägten Prostatabeschwerden, bei schwerer Herzinsuffizienz und innerhalb von sechs Monaten nach Herzinfarkt oder Schlaganfall. Und bei Kinderwunsch: Testosteron von außen unterdrückt die Spermienbildung, oft für lange Zeit. Männer mit Kinderwunsch und Mangel werden mit anderen Wirkstoffen behandelt, die die eigene Produktion anregen.
Herz-Kreislauf-Sicherheit: Was TRAVERSE gezeigt hat
Jahrelang war unklar, ob Testosteron das Herz gefährdet. Die TRAVERSE-Studie hat diese Frage 2023 weitgehend beantwortet: 5.246 Männer zwischen 45 und 80 mit nachgewiesenem Mangel und bestehender oder drohender Herz-Kreislauf-Erkrankung erhielten über im Mittel 22 Monate Testosterongel oder Placebo. Schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse traten nicht häufiger auf. Häufiger waren dagegen Vorhofflimmern, Lungenembolien und akute Nierenschäden. Die Therapie ist bei richtiger Indikation also herzsicher, aber nicht risikofrei, und sie ersetzt nicht die Behandlung von Blutdruck, Blutfetten und Gewicht.
Was Sie selbst tun können
Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche, sieben bis acht Stunden Schlaf, Gewichtsabnahme bei Übergewicht, Behandlung einer Schlafapnoe, Alkohol in Maßen und der Verzicht auf Anabolika heben den Testosteronspiegel messbar und verbessern genau die Beschwerden, um die es geht. Nahrungsergänzungsmittel helfen nur bei nachgewiesenem Mangel an Zink oder Vitamin D. Sogenannte Testosteron-Booster aus dem Internet sind entweder wirkungslos oder enthalten nicht deklarierte Hormone mit erheblichen Risiken.
Übergewicht, Diabetes und Testosteron: ein Kreislauf
Bauchfett ist hormonell aktiv. Es wandelt Testosteron über das Enzym Aromatase in Östrogen um, setzt Entzündungsbotenstoffe frei und dämpft die Steuerung aus der Hirnanhangsdrüse. Niedriges Testosteron wiederum fördert den Aufbau von Fettgewebe und den Abbau von Muskulatur, verschlechtert die Insulinempfindlichkeit und senkt den Antrieb für Bewegung. So entsteht ein Kreislauf, in dem Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Testosteronmangel sich gegenseitig verstärken. Studien zeigen, dass ein Gewichtsverlust von etwa 10 Prozent den Testosteronspiegel im Schnitt um 2 bis 3 nmol/l anhebt; nach einer bariatrischen Operation normalisiert er sich bei den meisten Männern vollständig. Bei funktionellem Mangel ist die Gewichtsabnahme deshalb die Therapie der ersten Wahl, nicht die Ersatztherapie. Sie behebt die Ursache, verbessert Blutzucker und Blutdruck gleich mit und hat keine der Nebenwirkungen einer Hormongabe.
Anabolika und die Zeit danach
Ein wachsender Anteil junger Männer mit Testosteronmangel hat anabole Steroide zum Muskelaufbau genommen. Von außen zugeführtes Testosteron oder seine Abkömmlinge schalten die körpereigene Produktion ab; nach dem Absetzen brauchen Hoden und Steuerung Monate bis Jahre, um sich zu erholen, manchmal gelingt es nicht vollständig. Typische Beschwerden sind Libidoverlust, Erektionsstörungen, depressive Verstimmung, Hodenverkleinerung und Unfruchtbarkeit. Wer Anabolika genommen hat, sollte das in der Sprechstunde offen sagen; es verändert die Diagnostik und die Behandlung, denn eine Ersatztherapie würde die Erholung weiter verzögern. Stattdessen kommen Wirkstoffe infrage, die die eigene Produktion anregen, begleitet von endokrinologischer Kontrolle.
Was die Videosprechstunde leisten kann
Die Ärztin oder der Arzt bei OpenClinic24 erhebt Ihre Beschwerden strukturiert, prüft Medikamente und Vorerkrankungen, sagt Ihnen, welche Laborwerte wann sinnvoll sind, und bewertet vorliegende Befunde. Liegt ein nachgewiesener Mangel vor, bespricht sie oder er Ursachen, Therapieoptionen, Kontrollen und Risiken; bei Hinweisen auf eine Erkrankung der Hoden oder der Hirnanhangsdrüse oder bei Kinderwunsch erhalten Sie eine Überweisung zur Endokrinologie oder Andrologie. Eine Therapie ohne zweifach bestätigten Mangel wird nicht begonnen.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
- Brustschmerz, Atemnot oder plötzliche einseitige Beinschwellung unter Testosterontherapie: Verdacht auf Lungenembolie oder Thrombose
- Herzrasen mit unregelmäßigem Puls, Schwindel oder Ohnmacht
- Plötzliche Sehstörungen, Kopfschmerzen und Milchfluss aus der Brust: Hinweis auf eine Erkrankung der Hirnanhangsdrüse
- Erektion über vier Stunden nach kombinierter Einnahme von Potenzmitteln
Bei diesen Warnzeichen wählen Sie den Notruf 112. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Eine Videosprechstunde ersetzt in diesen Fällen keine Untersuchung vor Ort.
Quellen
- Testosterone Therapy in Men With Hypogonadism: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism, 2018. DOI: 10.1210/jc.2018-00229 Leitlinie
- Identification of Late-Onset Hypogonadism in Middle-Aged and Elderly Men (EMAS). New England Journal of Medicine, 2010. DOI: 10.1056/NEJMoa0911101 Studie
- Cardiovascular Safety of Testosterone-Replacement Therapy (TRAVERSE). New England Journal of Medicine, 2023. DOI: 10.1056/NEJMoa2215025 Studie
- Effects of Testosterone Treatment in Older Men (The Testosterone Trials). New England Journal of Medicine, 2016. DOI: 10.1056/NEJMoa1506119 Studie
- Harmonized Reference Ranges for Circulating Testosterone Levels in Men of Four Cohort Studies in the United States and Europe. The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism, 2017. DOI: 10.1210/jc.2016-2935 Studie
- EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health: Male Hypogonadism. European Association of Urology, 2025. Leitlinie
Alle Quellen wurden bei der ärztlichen Prüfung abgerufen. Studien sind mit DOI verlinkt, Leitlinien und Gesetze in der aktuellen Fassung.
Häufig gestellte Fragen
Welche Symptome hat ein Testosteronmangel?
Am spezifischsten sind sexuelle Symptome: weniger Lust, weniger spontane und morgendliche Erektionen, Erektionsstörungen. Dazu kommen Antriebslosigkeit, Müdigkeit, gedrückte Stimmung, Konzentrationsprobleme, Abnahme von Muskelmasse und Kraft, Zunahme von Bauchfett, Hitzewallungen, Blutarmut und langfristig Knochenschwund. Weil viele dieser Beschwerden auch durch Schlafmangel, Depression oder Übergewicht entstehen, ist der Bluttest unverzichtbar.
Wie wird Testosteron richtig gemessen?
Gesamttestosteron im Blut, morgens zwischen 8 und 10 Uhr, nüchtern, an zwei verschiedenen Tagen, nicht während einer akuten Erkrankung. Der Spiegel schwankt im Tagesverlauf um bis zu 30 Prozent und ist nachmittags niedriger, deshalb sind Nachmittagswerte nicht verwertbar. Liegt der Wert im Graubereich um 8 bis 12 nmol/l, werden SHBG und freies Testosteron sowie LH, FSH und Prolaktin bestimmt, um die Ursache einzugrenzen.
Ab welchem Wert spricht man von Testosteronmangel?
Der harmonisierte untere Referenzwert für gesunde junge Männer liegt bei etwa 9,2 nmol/l oder 264 ng/dl. Die europäische Altersstudie definierte den symptomatischen Mangel bei unter 11 nmol/l Gesamttestosteron mit erniedrigtem freiem Testosteron und drei sexuellen Symptomen. Entscheidend ist die Kombination aus Wert und Beschwerden; ein leicht erniedrigter Wert ohne Symptome ist keine Krankheit und kein Grund für eine Therapie.
Was sind die häufigsten Ursachen?
Bei Männern mittleren Alters vor allem Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Schlafapnoe, chronische Erkrankungen, Opioide, Anabolikamissbrauch und starker Alkoholkonsum; hier normalisiert sich der Wert oft, wenn die Ursache behandelt wird. Seltener sind Erkrankungen der Hoden wie das Klinefelter-Syndrom oder Folgen von Entzündungen und Chemotherapie sowie Störungen der Hirnanhangsdrüse, etwa ein Prolaktinom oder eine Eisenspeicherkrankheit. Mit dem Alter sinkt der Spiegel nur langsam, etwa ein Prozent pro Jahr.
Wann ist eine Testosterontherapie sinnvoll und was bringt sie?
Bei nachgewiesenem Mangel mit passenden Symptomen und nach Ausschluss von Gegenanzeigen. Sie verbessert Libido, Erektionsfähigkeit, Stimmung, Energie, Muskelmasse und Knochendichte, meist innerhalb von drei bis sechs Monaten. Bei normalen Werten oder als Anti-Aging-Mittel ist sie wirkungslos und riskant. Vorher werden PSA, Blutbild, Leberwerte und Blutdruck bestimmt; unter Therapie werden Hämatokrit und PSA nach drei und zwölf Monaten und dann jährlich kontrolliert.
Welche Risiken hat die Testosterontherapie?
Die TRAVERSE-Studie fand kein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, aber mehr Vorhofflimmern, Lungenembolien und akute Nierenschäden. Häufiger sind Verdickung des Blutes, Akne, Brustspannen, Hodenverkleinerung, verschlechterte Schlafapnoe und Flüssigkeitseinlagerung. Testosteron unterdrückt die Spermienbildung und ist bei Kinderwunsch nicht geeignet. Nicht angewendet wird es bei Prostata- oder Brustkrebs, stark erhöhtem Hämatokrit, unbehandelter schwerer Schlafapnoe und in den ersten Monaten nach Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Kann ich den Testosteronspiegel ohne Medikamente erhöhen?
Ja, bei funktionellem Mangel oft deutlich: Gewichtsabnahme bei Übergewicht steigert Testosteron messbar, ebenso Krafttraining, ausreichend Schlaf, Behandlung einer Schlafapnoe, weniger Alkohol und der Verzicht auf Anabolika oder Opioide. Nahrungsergänzungsmittel mit Tribulus, Maca, Zink oder Vitamin D erhöhen den Spiegel nur bei nachgewiesenem Mangel des jeweiligen Stoffs; „Testosteron-Booster“ aus dem Internet sind wirkungslos oder enthalten nicht deklarierte Hormone.
Gibt es Testosteronmangel auch bei Frauen?
Der Androgenspiegel von Frauen sinkt mit dem Alter und nach Entfernung der Eierstöcke. Ein klar definierter Mangel mit Referenzwerten existiert nicht. Die einzige durch Studien gestützte Anwendung ist niedrig dosiertes Testosteron bei postmenopausalen Frauen mit stark vermindertem sexuellem Verlangen, in Deutschland nur außerhalb der Zulassung. Müdigkeit, Stimmung oder Gewichtszunahme sind keine Gründe für eine Testosterongabe bei Frauen.
Hinweis: Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt, in Notfällen an den Notruf 112.
